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Nikolausschule

Wie man ein richtiger Nikolaus wird

05:01 Minuten
Rund 300 Hamburger Grundschüler begrüßen am 30.11.2015 am Alsteranleger in Hamburg den Heiligen Nikolaus, dargestellt von dem pensionierten Pfarrer und Flüchtlingsseelsorger Norbert Bezikofer.
Hamburger Grundschüler begrüßenden Heiligen Nikolaus, dargestellt von dem pensionierten Pfarrer und Flüchtlingsseelsorger Norbert Bezikofer. © picture alliance / dpa / Christian Charisius
Von Hilde Braun · 05.12.2016
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Wie zieht sich ein Nikolaus richtig an? Welchen historischen Hintergrund hat die Figur? Und führt er wirklich ein Buch über die guten und schlechten Taten der Kinder? Das alles lernt man in der Nikolausschule in Essen.
Zu Nikolaus ist es üblich, dass jemand den Nikolaus spielt und in Kindergärten oder Schulen kommt. Doch dabei kann er vieles falsch machen. In Essen gibt es jetzt eine Nikolausschule, in der Menschen, die die Heiligenfigur spielen, lernen wie es geht. Und das fängt schon beim Aussehen an. Peter Nöckerath ist 56 und spielt seit drei Jahren den Nikolaus, eigentlich aber den Weihnachtsmann:
"Wir haben als Weihnachtsmann angefangen und haben uns jetzt umschulen lassen auf Nikolaus. Die Kinder meinen immer noch, es käme der Weihnachtsmann, der dicke Mann, mit der Pudelmütze und dem Sack auf dem Rücken und der hat nun mal gar nichts mit dem heiligen Nikolaus zu tun - das sind zwei verschiedene Sachen."
Tim ist 10 und kennt den Unterschied: "Manche glauben, Nikolaus und Weihnachtsmann ist die gleiche Figur, aber der Weihnachtsmann ist nicht echt."
Ella: "Der Weihnachtsmann ist nicht echt, er ist erfunden von Coca Cola ... Der Nikolaus verteilt Süßigkeiten, der Weihnachtsmann Geschenke, er hat Schlitten und Rentiere und kommt durch den Kamin. Der Nikolaus hat einen Stab, keine Rentiere."

Der Nikolaus lebte wirklich

Der heilige Nikolaus hat nichts mit einer Werbefigur zu tun, wie sie der Weihnachtsmann ist. Er lebte wirklich und hat armen Menschen geholfen, er war Bischof. Wer den Nikolaus spielt, sollte sich auch so kleiden. Ganz wichtig dabei, die Bischofsmütze – sie heißt Mitra -, der Bischofsstab und ein Bischofsgewand. Auch eine Kette mit einem Kreuz gehört dazu. Rainer Wolfgang Braun ist 81 Jahre alt, er spielt seit über 40 Jahren den Nikolaus. Das Gewand leiht er sich dazu von einem befreundeten Pfarrer:
"Wir wissen, dass er Bischof war in einer Stadt, die hieß Myra, und dass er sich sehr für die Kinder eingesetzt hat und ihnen auch geholfen hat. Und deshalb sollten wir dieses Besondere des großen Mannes auch darstellen, der kinderliebende, freundliche Heilige!"

Die Legende nachspielen

Immer wenn er in Schulen oder Kindergärten geht, erzählt er eine Legende vom Heiligen Nikolaus, und lässt die Kinder diese auch schon mal nachspielen:
"Die Stadt Myra wurde von einer Hungersnot heimgeholt, ein Schiff kam vollbeladen aus der Kornkammer der Antike aus Rom und Sankt Nikolaus ist hingegangen und sagte: 'Du könntest uns ein paar Säcke da lassen'. Dann sagte der Kapitän: 'Das geht nicht, ich muss alles haargenau abliefern'. Dann sagte Nikolaus: 'Lade ab, es wird nichts fehlen und die Legende erzählt, dass nicht ein einziges Korn fehlte.'"

Der Nikolaus soll keine Angst machen

Aber ein Buch, in dem schlechte und gute Taten von Kindern vorkommen, hat er nicht, auch fragt er die Kinder nicht, ob sie alle lieb waren. Auf der Nikolausschule in Essen ist das auch ein klares Tabu. Denn der Nikolaus soll keine Angst machen, auch wenn Ella das so kennt:
"Er soll vorlesen, ob man lieb war oder nicht."
Peter Nöckerath: "Es gibt nur gute Taten. Für schlechte Taten wird der Nikolaus von den Eltern gerne als Erziehungshilfe genommen, das macht man heute gar nicht mehr."
Natürlich verteilt auch Nikolaus Rainer Wolfgang Braun am Ende Süßigkeiten, aber das ist nicht das Wichtigste, sondern dass die Kinder mehr über den Heiligen erfahren:
"Und mir ist es mehrmals schon passiert, dass ich beim Verlassen dann des Kindergartens Kinder sprechen hörte, die sagten, das war doch nicht der Herr Braun, das war doch der richtige Nikolaus."
Wie soll der Nikolaus sein? Das sagen die Kinder:
Jolina: "Nikolaus ist heilig, das ist wirklich passiert."
Tim: "Der Nikolaus soll immer gleich sein, nicht moderner."
Ella: "Nett sein und Geschichten vorlesen. Er soll alles darüber wissen und alle Fragen beantworten können."
David ist fünf Jahre alt und ist schon ganz aufgeregt:
"Der Nikolaus kommt in Häuser, wenn ich schlafe und bringt leckere Süßigkeiten. Ich stelle abends einen Teller raus, und dann ist er plötzlich voll, da freue ich mich drüber."

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