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Beitrag vom 19.12.2018

Johann Sebastian Bach als KindAuch große Komponisten waren mal klein ...

Von Ulrike Timm Beitrag hören
Das Denkmal für den Komponisten Johann Sebastian Bach auf dem Thomaskirchhof in Leipzig. Im Hintergrund sind einige Bäume. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Das Denkmal für den Komponisten Johann Sebastian Bach auf dem Thomaskirchhof in Leipzig. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Tam-tam,-tam-dammm-tam, jauch-zet froh-locket … das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist weltberühmt. Als Bach das komponierte, war er ja schon groß, ein berühmter Komponist. Aber wie war das, als er noch ein kleiner Junge war?

Geboren wurde der wohl berühmteste Konponist der Erde am 21. Maörz 1685 in Eisenach.Sein Vater Ambrosius war Stadtmusikus und die Bachs eine Familie von Stadtpfeifern. Die standen oft ganz oben auf dem Kirchturm und bliesen Musik auf die Leute herunter.

Papa Bach war ziemlich gut, er bildete Lehrlinge aus, so wie der Maurer und der Bäcker und der Schneider – und er wollte, dass sein Sohn Sebastian "bloß kein Bierfiedler" wird, der im Wirtshaus spielt, bis alle völlig besoffen sind.

Der kleine Sebastian stellte sich geschickt an – alles Musikalische fiel ihm leicht. Aber sonst war er nicht gerade ein Musterschüler – 103 halbe Schultage soll er gefehlt haben, in einem einzigen Schuljahr. 103 halbe Schultage? Naja, damals war Schule anders, sie ging von morgens um 6 bis 9, und dann wieder von mittags um eins bis drei. In der übrigen Zeit haben die Kinder gearbeitet, das war damals ganz normal.

Der kleine Johann Sebastian Bach sang gerne, und er sang gut. Daher wurde er früh in die Kurrende aufgenommen. Das war ein kleiner Chor, die Kinder gingen singend von Haus zu Haus, gerade in der Weihnachtszeit, aber auch zu anderen Zeiten – und sie kriegten ein bisschen Geld oder etwas zu essen fürs Singen.

Der kleine Sebastian – Johann hießen alle Jungs in der Familie, und bei ihm kam eben noch Sebastian dazu, als Rufname, damit man die ganzen Johann-Kinder nicht nummerieren musste – der kleine Sebastian also hatte immer Lust, zu singen. Und Musikinstrumente waren sein liebstes Spielzeug. Die lagen zu Hause ja überall herum. Alle Tasteninstrumente lernte er fix – da waren die Töne ja fertig. Bei den Streichinstrumenten muss man die Töne selber suchen – aber auch das bekam er fix hin. Bloß sein Lieblingsinstrument, die Orgel, das war ein Problem. An der Orgel macht man nämlich mit Händen und Füßen Musik, oben spielt man so ähnlich wie am Klavier und die Beine und die Füße machen Musik mit den Pedalen und Sebastians Beine waren noch viel zu kurz, er kam da anfangs nicht dran, an die Pedale der Orgel. 

Das Bachhaus in Eisenach ist Gedenkstätte und Bach-Museum. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)Das Bachhaus in Eisenach ist Gedenkstätte und Bach-Museum. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)

Der kleine Sebastian hatte vermutlich keine kleine Kindheit, denn als er neun Jahre alt war, da starb seine Mutter und als er zehn Jahre alt war, starb auch noch der Vater. Der größere Bruder kümmerte sich nun um die Familie Bach, er war Organist in Ohrdruf, dahin kam Sebastian zusammen mit seinem Bruder Jacob. Das war kein leichtes Leben. Der große Bruder Christoph verdiente wenig als Organist. Und Sebastian und Jakob verdienten als Chorsänger ganz wenig.

Aber sie scheinen nicht unglücklich gewesen zu sein, der große und die beiden kleineren Brüder. Zum einen war man es damals wohl gewohnter, als wir es heute sind, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Viele Eltern, viele Geschwister starben damals früh – man kann es nicht ändern, oder, wie die Leute damals wohl meistens sagten: das liegt in Gottes Hand.

Und der junge Johann Sebastian hatte mit der Musik etwas, das ihm immer Freude machte. Für ihn waren Töne lebendig. Er konnte sich darauf stützen. Musik lässt einen nie im Stich.

Der große Bruder Christoph merkte bald, dass der kleine Sebastian selbst für jemanden aus der musikbegabten Bach-Familie ganz ungewöhnlich begabt war. Und – wohl auch um ein bisschen Vorsprung zu behalten – packte er sein schönstes Notenheft in den Giftschrank – da sollte der kleine Bruder nicht so früh rankommen, diese Musik war ihm, dem großen Bruder vorbehalten. Und was soll Sebastian gemacht haben? Mit den kleinen Händen langte er zwischen die Gitterstäbe des Schranks und angelte sich Noten, dann hat er sie heimlich abgeschrieben, bei Mondschein, nachts, durfte der Bruder ja nicht merken. Ganz sicher ist diese Geschichte nicht – aber sie hätte gut gepasst zu Johann Sebastian, denn für Noten und Musik tat er wirklich alles.

Als kleiner Junge und später als erwachsener Mann. Johann Sebastian Bach lief hundert km zu Fuß, um jemanden spielen zu hören. Zankte sich mit der "wunderlichen Obrigkeit" herum, also mit wild gewordenen Chefs, wenn sie ihn daran hinderten, die bestmögliche Musik aufzuführen.

Aus dem begabten kleinen Jungen wurde ein großer, selbstbewusster Komponist. Und ein glücklicher Mensch mit einer großen Familie, da wurde Musik gemacht und gearbeitet bei den Bachs, aber auch viel gelacht, getanzt, und jede Menge Wein getrunken…..

Und in diesen Tagen vor Weihnachten wird allerorten sein größter Hit gespielt, der des erwachsenen Johann Sebastian Bach, das Weihnachtsoratorium, ganz fröhliche, festliche Musik. Jauchzet - frohlocket. Für viele Menschen wird‘s ohne dieses Jauchzet frohlocket gar nicht richtig Weihnachten, so sehr gehört es dazu ... aber das ist eine andere Geschcihte. Denn da war der kleine Johann Sebastian ja schon groß.

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