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Beitrag vom 22.05.2019

FahrstuhlmusikQual oder Segen für die Ohren?

Von Heidi Motti Beitrag hören
Ein Mann fährt mit dem Aufzug hoch. (imago/Ikon Images)
Mit Musik geht alles besser ... (imago/Ikon Images)

Manche finden sie beruhigend – für andere ist sie eine Qual – Hintergrundmusik! Egal, ob man sie liebt oder hasst - man entkommt ihr nicht! Ob Kaufhaus, Fahrstuhl oder Servicenummer, immer dudelt von irgendwo im Hintergrund irgendeine Melodie. Warum eigentlich?

Hintergrundmusik ist keine Erfindung unserer Zeit, schon der Komponist Eric Satie entwickelte vor rund 100 Jahren die Idee einer "Klangtapete", die sich in einem Restaurant in das Messer- und Gabelklappern einfügen sollte, und in Kaufhäusern spielten zunächst Live-Orchester, die die Kunden zum längeren Verweilen anregen sollten.
Diese Musik, die so im Hintergrund vor sich hin plätschert, wurde das erste Mal in New York, in den Aufzügen des Empire State Buildings, des damals höchsten Wolkenkratzers der Welt, eingesetzt, deshalb nennt man sie auch "Fahrstuhlmusik". 

Diese Fahrstuhlmusik sollte den Menschen die Angst vor der Höhe und vor der Enge nehmen. Das hat tatsächlich auch geklappt, als 1945 ein Flugzeug in das Empire State Building krachte, und die Menschen mehrere Stunden in den Fahrstühlen eingeschlossen blieben. Sie gaben später an, dass sie die Musik, die die ganze Zeit weiter lief, vor einer Panik bewahrt hatte.

Gleichzeitig dachten Wissenschaftler darüber nach, wie sich die Arbeitsleistung in den Fabriken weiter steigern ließe - warum nicht mit Musik? Ein amerikanisches Unternehmen mit Namen "Muzak" griff diesen Gedanken auf und entwickelte Musikstücke, die bei der Arbeit für eine angenehme, fröhliche Stimmung sorgen sollten. Sie durften nicht zu laut und aufdringlich sein, nicht zu schnell oder zu bombastisch, aber auch nicht zu langsam oder zu getragen. Bald dudelte in Fabriken und Büros leise Musik im Hintergrund, und der Namen "Muzak" wurde weltberühmt.

Nach Fahrstühlen, Fabriken und Büros wurden Kaufhäuser als passende Orte für Hintergrundmusik entdeckt. Die Kunden sollten durch die Musik verführt werden, so lange wie möglich im Laden zu bleiben und dadurch - mehr zu kaufen.

Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, dass in Warenhäusern, in denen Musik läuft, mehr gekauft wird, trotzdem werden wir fast überall mit Musik beschallt, zum Beispiel auch in Cafes und Restaurants.

Musik kann unsere Stimmung beeinflussen, ob wir eine Musik als angenehm oder unangenehm empfinden, hängt von unserem persönlichen Geschmack ab. Doch nicht nur Menschen spüren die Wirkung von Musik, selbst Tiere werden heute gerne beschallt, denn es gibt Untersuchungen, die belegen, dass zum Beispiel Kühe mehr Milch geben, wenn leise, ruhige Musik im Kuhstall läuft.

Außerdem zu hören:

"Insektenmusik" ein Beitrag von Dana Sindermann