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Beitrag vom 19.01.2018

EntdeckertagWer hat die bloß aufgestellt? Das Geheimniss der Hinkelsteine.

Von Silke Wolfrum Beitrag hören
Menhire in Carnac in derBretagne (Stock.XCHNG / Marco Michelini)
War Obelix hier? (Stock.XCHNG / Marco Michelini)

Überall auf der Welt gibt es sie: große, schwere, von Menschenhand aufgerichtete Steine, Hinkelsteine. Manchmal stehen sie im Kreis, manchmal in Reihen, manchmal aufeinandergetürmt. Wer hat sie bloß aufgestellt und warum? Wir gehen auf Spurensuche in die Bretagne und bitten den französischen Archäologen Cyrille Chaigneau um einen Tipp. Er forscht in dem kleinen bretonischen Ort Carnac, in dessen Nähe sich über 3000 Hinkelsteine aneinanderreihen.

Als Hinkelsteine werde im deutschen Sprachraum große, tonnenschweren Steinkolosse bezeichnet, die mitten in der Landschaft herumstehen oder liegen. Sie sind alt, stammen aus einer Zeit lange vor den Kelten oder Römer. Die ältesten dieser großen Einzelsteine wurden bereits in der jüngeren Steinzeit, etwa Mitte des fünften Jahrtausends vor Christus aufgestellt. Das heißt, sie sind inzwischen etwa siebentausend Jahre alt.

Vermutlich ist das hohe Alter dieser großen Steine auch der Grund, warum keiner so recht weiß, wieso es sie überhaupt gibt. Der Grund für ihre Existenz wurde im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende einfach vergessen, bzw. ging unter.

Stattdessen wurden die Steine Stoff für Geschichten und Sagen. So erzählt man mancherorts, die Hinkelsteine würden sich um Mitternacht sowie beim Läuten der Kirchenglocken oder beim Lesen von Messen drehen. Außerdem gäben sie Weh- und Klagelaute von sich, wenn man sein Ohr an sie legt. Andernorts erhoffen sich Kranke durch die Berührung solcher Steinmale Heilung.

Heute denkt man, dass die großen Steine einst aus unterschiedlichen Gründen errichtet wurden. Als moderne Gedenksteine, Gartenornamente, Ruhsteine oder auch zur Werbung für Steinbrüche. Doch der Hauptgrund war vermutlich zur Markierung von Straßen und als Grenzstein. Die großen Steine sollten Dorfbewohnern eine räumliche Orientierungshilfe geben und Flurnamen markieren. Mit Hilfe diese Steine, die sich nur schwer oder überhaupt nicht bewegen ließen, sollen Besitzverhältnisse dokumentiert werden. Ein schönes Beispiel hierfür ist der "Lange Stein" von Einselthum im Donnersbergkreis/Pfalz. Dieser Stein wurde bereits im Jahr 1071 in Urkunden erwähnt, um einen bestimmten Flurnamen zu benennen und zu dokumentieren, wem dieses Gebiet gehörte.

In Deutschland sind die meisten Hinkelsteine zwischen einem und vier Metern hoch. Der größte ist der Gollenstein im Saarland mit 6,6 m.

In Frankreich heißen die Hinkelsteine Menhire. Besonders beeindruckend sind die Steinfelder von Carnac  in der Bretagne.  In dieser Art sind sie die größten Megalith-Anlagen der Welt. Auf einer Fläche von 40 Hektar und auf einer Länge von 4 Kilometern sind über 3000 dieser Menhire aneinandergereiht.

(thomas fuchs)