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Beitrag vom 01.08.2018

Die Liedermacherin Suli Puschban"Ich mache jetzt, was ich will"

von Rüdiger Bischoff Beitrag hören
"Die Rotzgören" zu Gast bei Paulus (Deutschlandradio)
Suli Puschban (Mitte) wehrt sich mit ihren Liedern gegen Dinge, die falsch laufen. (Deutschlandradio)

Suli Puschban ist die Rebellin unter den KinderliedermacherInnen. In ihren Liedern spricht die gebürtige Wienerin die Themen an, die sie für wichtig hält. Seit vielen Jahren lebt sie in Berlin und singt aus Überzeugung gegen Ungerechtigkeiten an.

Suli Puschban hat die "Schnauze voll von Rosa", sieht "aus wie Elvis" und "weiß, wo dein Haus wohnt". Die gebürtige Wienerin, die seit Jahren in Berlin lebt, ist eine tolle, wirklich einmalige Musikerin. Mit ihren Liedern will sie Kinder zum Nachdenken anregen, zu Toleranz, Vielfalt und Anderssein ermutigen.

Würdigung einer Bürgerrechtlerin

Seit 1995 arbeitet sie als Erzieherin an der Rosa-Parks-Schule, benannt nach der Afro-Amerikanerin, die sich 1955 im US-Bundesstaat Alabama weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen. Aus der Geschichte der Bürgerrechtlerin Rosa Parks hat Puschban ein Kinderlied gemacht: "Rosa Parks – das bist du!" Sie singt davon, dass es nicht auf die Haarfarbe, Sommersprossen oder das Gewicht ankommt. "Hier ist Platz für dich, hier ist Platz für mich – Rosa Parks bist du!"

Durch ihre Arbeit in der Schule und den vielen Auftritten vor Kindern weiß Suli Puschban inzwischen genau, was bei Kindern musikalisch ankommt. Aber nicht nur was den Sound betrifft: Suli kennt die Themen, die Kinder interessieren. Und das sind eben nicht nur, wie sie sagt, Party, Spaß und gute Laune, sondern auch politische Themen, wie Frieden, Rassismus oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Sie macht Lieder über Menschen, die sie berühren

Der Sauerländer-Verlag hat einen Sampler mit dem Titel "Ich mach jetzt, was ich will" zusammengestellt. Für Suli ist er mehr als ein Best-of-Sampler, erklärt sie:

"Das finde ich das Schöne an diesem Sampler, weil es ist nicht ein Best-of-Suli, sondern es ist: 'Was macht Suli-Songs eigentlich special oder welches sind die Special-Suli-Songs?' Ich schreibe immer Songs über Menschen, die mich berühren, die ich treffe, die ich kennengelernt habe. Und der Satz 'Ich mach jetzt was ich will', kommt ja aus dem Lied 'Ich hab die Schnauze voll von Rosa' und das ist eigentlich ein Lied über mich selbst, wenn ich mich in Lillifees Rolle versetzen würde. Und ich habe gedacht: 'Weißt du was, ich habe jetzt die Schnauze voll von diesem ganzen Rosa und diesem ganzen Geld, was mit dem Rosa gemacht wird und diesen ganzen Erwartungen, die dahinter stecken. Und ich mach jetzt was ich will.'" 

15 coole Songs auf einer CD

Auf ihrer neuen CD findet sich auch das großartige Lied "Ich hab die Schnauze voll von Rosa". Es erzählt von einer Begegnung mit einer ziemlich frustrierten Prinzessin Lilifee:

"Ich wollte unbedingt ein Anti-Rosa-Lied machen, weil ich finde, diese Rollenzuschreibung von Mädchen und Jungs - Farben, Haarlänge, was man trägt, was man nicht zu tragen hat - wird in den letzten Jahren wieder doller. Und ich wollte gern ein Lied schreiben, das das aufgreift, und das aber nicht mit einem erhobenen Zeigefinger daherkommt, sondern irgendwie witzig ist."

Es ist Musik zum Mitsingen und Tanzen. In einem Lied geht es zum Beispiel um Kinder, die zwei Mamas haben, oder um einen Hasen, der Cabrio fährt, oder um Piraten-Mädchen, die sich vor reinweg gar nichts fürchten. Erzählt wird auch von einem Jungen, der immer nur hinterm Computer sitzt und von der Welt gar nichts mehr mitbekommt.

Der Gerechtigkeitssinn der Kinder

Suli Puschban ist Solo oder mit der "Kapelle der guten Hoffnung" unterwegs und wie wir von Rüdiger Bischoff und der Klangohr-Kinderjury gehört haben, lässt Suli Puschban sich nicht vorschreiben, was sie singen soll:

"Gerade Kinder haben ein besonders ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und empfinden viele Dinge als ungerecht, die in unserer Gesellschaft so laufen. Und wenn man sich nicht wehrt dagegen, dass Dinge nicht ungerecht sind, dann wird sich auch nichts ändern. Und das muss nicht sein."

Mehr zu Suli Puschban könnt Ihr auf der Website Klangohr erfahren.

Außerdem ein Thema in dieser Sendung:

"Kongo-Pygmäen" Eine Musikreise von Brigitte Jünger