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Beitrag vom 30.07.2018

Deutschlands ungewöhnlichste MuseenDas Harzer Roller Kanarienvogel-Museum

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Im Kanarienvögel-Museum der Oberharzer Bergstadt St. Andreasberg ist am Freitag (27.06.2008) ein Kanarienvogel (Harzer Roller) zu sehen, ein Vogel, wie ihn die Bergleute unter Tage mitgenommen haben, um vor gefährlichen Gasen gewarnt zu werden. Wenn die Vögel unter Tage das Gas wahrnahmen wurden sie unruhig und haben mehr als sonst gezwischert, wodurch die Bergleute gewarnt wurden und die Grube rechtzeitig verlassen konnten. Foto: Frank May +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa)
Ein Kanarienvogel, auch Harzer Roller genannt, im gleichnamigen Museum in St. Andreasberg (dpa)

Wer denkt bei dem Begriff Harzer Roller an einen Sauermilchkäse in Rollerform, der mit speziellen Bakterienkulturen hergestellt wird? Der liegt nur fast richtig. Denn der Harzer Roller ist auch ein Kanarienvogel, der begnadet singen kann.

Ursprünglich stammt der kleine gelbe Vogel von der Insel Madeira, oder den Azoren. Er gehört zu der Vogelfamilie der Kanarengirlitze und es waren spanische Mönche, die im Jahr 1485 entdeckten, dass sich der kleine zutrauliche Finkenvogel auch im Käfig züchten lässt. Durch rege Handelsschifffahrt gelangt der Vogel nach Italien, England und Frankreich. Italienische Fuhrleute bringen den Kanarienvogel in die Alpenregion. In Imst/Tirol entwickelt sich mit der Zucht von Kanarien ein regelrechter Erwerbszweig.

Der Singstar Harzer Roller

Diese Bergleute aus Imst waren es dann auch, die um 1730 den kleinen Sangeskünstler auf der Suche nach Arbeit, als Haustier in den Oberharz brachten. Der Kanariengirlitz hatte noch ein grünlich gelbes und graues Gefieder, das später sich beim Harzer Roller zu blassem Gelb bis Goldgelb entwickelte. Bei neueren Züchtungen gibt es auch zimtrote, zimtbraune, orangegelbe, scheckige und getigerte Vögel.

Der Gesang des Harzer Rollers ist, wie beim Kanarengirlitz, von klarem Klang und besteht aus wechselnden Schlägen, Trillern und Rollern – woher der Harzer Roller schließlich auch seinen Namen erhalten hat. Doch dieser besondere Gesang muss erlernt werden.

Im Harz lernt der Vogel singen

Im Harz, genauer gesagt in St. Andreasberg, wurden die besten Vögel gezüchtet und zu tausenden im Jahr in alle Welt verkauft. Die Kanarienvogelzucht war für die Bevölkerung des Ortes von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

In St. Andreasberg ist auch das Harzer Roller Kanarienvogel-Museum beheimatet, das weltweit einzige seiner Art. Hier kann man sehen und hören, wie den Kanarienvögeln das Singen beigebracht wurde und welche große Bedeutung sie als Warnvögel im Bergbau weltweit hatten.

In einem gesonderten Ausstellungsraum lässt sich viel über die Züchtung von Buchfinken erfahren. Diese Vögel werden für die berühmten Finkenmanöver eingesetzt. Das Harzer Finkenmanöver soll sogar in die Liste des immateriellen Welterbes der Menschheit aufgenommen werden.
(thomas fuchs)

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