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Beitrag vom 26.07.2017

MusiktagKeine Hochzeit ohne Klezmer

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Musiker der "Klezmer Mishpokhe" - die Klezmergroßfamilie - spielen am Donnerstag (28.07.2011) bei einem Konzert zum Festival "Yiddish Summer" in Weimar auf. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Festival "Yiddish Summer" in Weimar (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Klezmermusik

Von Kristina Dumas


Um zu erfahren, woher Klezmermusik kommt und was diese Musik so besonders macht, hat Kakadu-Reporterin Kristian Dumas den Musiker Daniel Grossmann besucht. Er ist großer Klezmerfan und dirigiert das jüdische Orchester am Jakobsplatz in München.

Ursprünglich ist die Klezmermusik eine Musik aus dem jüdischen Schtetl. Schtetl waren kleine Städte, die sich vor allem in Osteuropa befanden, also in Ländern wie das heutige Polen, Litauen, Rumänien, Moldavien usw.

In diesen Schtetln lebten vor allem Juden. Juden wurden oft vertrieben. Wie z. B. vor mehr als 600 Jahren. Da wütete eine schlimme Krankheit, die Pest. Junge und alte Menschen starben daran und keiner war vor dieser schrecklichen Krankheit sicher. Es herrschte Panik, weil man lange nicht wusste, woher die Pest kam. Viele Menschen gaben den Juden die Schuld an diesen Krankheiten.

Jüdische Gemeinden wurden zerstört und viele Juden wurden umgebracht. Überlebende Juden flohen und zogen nach Osteuropa, denn z. B. in Polen ging es ihnen besser. Allerdings durften die jüdischen Menschen in ihrer neuen Heimat meist nicht alle Berufe ausüben. Und so wurde sie Händler, Gastwirte und Hausmeister von polnischen Adeligen. Sie lebten unter, wo sie ihre jüdischen Feiertage begehen und ihre Bräuche leben konnten. Im Schtetl gab es oft einen jüdischen Friedhof, eine Synagoge zum Beten und eine Schule für die Kinder. Im Laufe der Jahre entwickelte sich so auch eine eigene Volksmusik, die sie hauptsächlich zu Hochzeiten und anderen Festen gespielt haben. Zu dieser Musik haben sie in ihren jüdischen Dörfern getanzt, gelacht, gegessen und vielleicht auch mal geweint.

Ursprünglich haben nur Männer diese fröhliche Klezmermusik gespielt. Und interessanterweise gab es in der Klezmermusik überhaupt keine Noten. Es wurde improvisiert, die Noten kaum schriftlich überliefert. Das Wissen um diese Musik wurde zumeist innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben.

Im zweiten Weltkrieg wurden Millionen Juden umgebracht. Die meisten Schtetel, also jüdische Städte, wurden ausgelöscht. Und damit auch die Klezmermusik.

Doch die Juden, die sich vor dem Nationalsozialismus retten und z. B. nach Amerika fliehen konnten, die nahmen auch ihre Musik mit. Und nach und nach wurde dann diese Musik wiederentdeckt. Vor knapp 50 Jahren wurde Klezmer dann wieder so richtig in und blieb es bis heute.

Außerdem an diesem Musiktag Thema im Kakadu:

"Vom Mixen und Rühren bei Beethoven" Eine neue Folge der Klassik für Einsteiger. Von Ulrike Timm.