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Beitrag vom 25.07.2018

Don Quichotte in der MusikViel mehr als nur ein Kämpfer gegen Windmühlen

Von Stephan Holzapfel-Sander Beitrag hören
Skulpturen der Cervantes-Romanfiguren Don Quijote und Sancho Panza vor dem Torre de Madrid (Hintergrund) an der Plaza Espana in Madrid. (picture alliance / dpa / Rolf Haid)
Ein Ritter im Kampf gegen die Wirklichkeit (picture alliance / dpa / Rolf Haid)

Obwohl es ihn nicht wirklich gab, ist der spanische Edelmann Don Quichotte de la Mancha einer der berühmtesten Ritter der Geschichte. Ausgedacht hat ihn sich der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes.

Worum geht es in dem Roman Don Quichotte?

Don Quichotte ist ein verarmter Landadeliger. Er lebt in der Mancha, einer ländlichen Gegend mitten in Spanien und er liebt Ritterromane. Immer tiefer taucht er in seine Fantasiewelt aus Rittern, Burgen Turnieren und Hofdamen ein, bis er schließlich überzeugt ist, selbst ein Ritter zu sein. Obwohl es doch zu seiner Zeit schon gar keine echten Ritter mehr gab.
Aber das interessiert Don Quichotte nicht. Er holt sein Pferd Rosinante aus dem Stall, zieht die alte Rüstung seiner Urgroßvaters an und reitet los, um in der Tradition der edlen Rittertums "das Unrecht und die Unterdrücker zu bekämpfen". Dabei erlebt er die unglaublichsten Abenteuer.

Was war das mit den Windmühlen?

In einem Kapitel des Romans nähert sich Don Quichotte in Begleitung seines Knappen Sancho Pansa einem Feld voller Windmühlen. Doch für den Ritter sind es keine Windmühlen, sondern Riesen mit langen Armen, gegen die er kämpfen muss. Als er mit angelegter Lanze gegen die erste Windmühle losprescht, lässt eine Windböe die Flügel der Mühle schneller drehen. Der Flügel zerbricht die Lanze, Ross und Reiter werden zu Boden geschleudert.

Im Buch füllt diese Episode nicht einmal zwei Seiten und ist doch das, was heute jeder mit diesem Roman verbindet. Der Ausdruck "gegen Windmühlen kämpfen" ist seitdem eine feste Redewendung und meint, dass jemand gegen etwas kämpft, was es nur in seiner Fantasie gibt. Der Kampf des Idealisten gegen die Wirklichkeit.

Kachelbild mit einer Szene aus Cervantes' "Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha" in einem Cafe in Templeque in der spanischen Region Kastilien-La Mancha. (picture alliance / dpa / Lou Avers)Dieses Kachelbild mit einem Motiv aus dem Roman Don Quixote findet sich in einem Café in Templeque in der spanischen Region Kastilien-La Mancha. (picture alliance / dpa / Lou Avers)

Wer war Miguel de Cervantes?

Miguel de Cervantes Saavedra ist der bekannteste spanische Schriftsteller und gilt als Spaniens Nationaldichter.

Cervantes führte ein abenteuerliches Leben. Er wurde vermutlich im Jahr 1547 geboren, studierte in Madrid, reiste quer durch Europa, diente in der spanischen Marine und wurde in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken schwer verletzt, sodass seine linke Hand dauerhaft gelähmt blieb. Später geriet er in Gefangenschaft und wurde als Sklave nach Algier verkauft. Erst nach fünf Jahren konnte er freigekauft werden. Mehrfach nahm Cervantes in den späteren Jahren an spanischen Kreuzzügen teil und arbeitete zeitweilig als Steuereintreiber. Seine ersten Schreibversuche blieben ohne Erfolg, doch mit seinem Buch über den verarmten Edelmann Don Quichotte aus dem Jahr 1605 kam der Erfolg.

Aber bald schon verlor Cervantes das gewonnene Geld wieder und starb im Jahr 1616 verarmt in Madrid.

Im späten Mittelalter waren die Ritterromane stark in Mode. Mit Don Quichotte parodierte Cervantes die Ritterromane und machte sich gleichzeitig über die Menschen lustig, die diese Bücher lasen. 

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