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Beitrag vom 05.02.2017

WochenvorschauStress in der Therme

Von Thomas Fuchs
Der Palazzo Veneziano verbindet das Haupgebäude mit dem alten Saunabereichs, aufgenommen am Samstag (17.07. 2010) in der ThermeErding in Oberbayern. (picture alliance / dpa / Ursula Düren)
So sah die Therme aus, bevor Tiger sich zu einem Bad entschloss. (picture alliance / dpa / Ursula Düren)

Hallo Fans, meine Kralle, bin ich fertig! Ich muss sagen, so fertig war ich noch nie. Nicht einmal nach meinem Langstreckenflug über den Nordpol, meiner Atlantiküberquerung im Nebel ohne jede Bordverpflegung (das kam daher, eigentlich wollte ich den Atlantik ja gar nicht überfliegen, ich hatte mich nur verflogen und irgendwann kam ich in New York raus), selbst mein Weltrekordversuch im Höhenfliegen war nicht so anstrengend wie dieses Erholungswochenende mit Tiger und Athena in der Therme.

Hallo Fans,

meine Kralle, bin ich fertig! Ich muss sagen, so fertig war ich noch nie. Nicht einmal nach meinem Langstreckenflug über den Nordpol, meiner Atlantiküberquerung im Nebel ohne jede Bordverpflegung (das kam daher, eigentlich wollte ich den Atlantik ja gar nicht überfliegen, ich hatte mich nur verflogen und irgendwann kam ich in New York raus), selbst mein Weltrekordversuch im Höhenfliegen war nicht so anstrengend wie dieses Erholungswochenende mit Tiger und Athena in der Therme.

Ich dachte ja, wir hätten da einfach vier Tage gepflegtes Nichtstun gebucht. Entspanntes Faulenzen im Liegestuhl bei angenehmen Temperaturen, Herumplantschen im warmen Wasser und etwas Wärme tanken in der finnischen Trockensauna.

Doch von wegen! So wäre es vermutlich gekommen, wenn ich oder Tiger die Buchung gemacht hätten. Aber wir hatten das leichtsinnigerweise Athena überlassen. Diese nette ältere Schildkrötendame hatte einen Schnell-Entspannungscoach organisiert, der uns entspannen sollte. Der Mann war echt eigenartig drauf. Er behauptet, dass das Gefühl der Entspannung aktiv erarbeitet werden muss. Erst den Körper durch extreme Saunagänge zur Höchstleistung pushen, um anschließend erschöpft in die Entspannung hinüberzugleiten.

Also hatte ich vier Tage Stress an der Kralle. Okay, es waren nicht die kompletten Tage Stress. Gestern früh hatte Tiger die Schnauze voll und hat dem Coach klargemacht, dass er jetzt zwei Möglichkeiten hätte. Entweder ganz schnell zu verschwinden oder alternativ in Zukunft damit leben zu müssen, dass ihm die eine oder andere Extremität fehlen würde, wie Tiger es ausdrückte.

Was natürlich nicht ernst gemeint war, Tiger hat meines Wissens nach noch nie jemandem etwas abgebissen. Denke ich zumindest. Obwohl er nicht viel über seine Vergangenheit spricht. Jeder hat doch so seine Jungendsünden …

Aber der Coach hat jedenfalls auf Tigers Ansage so reagiert, wie vermutlich jeder andere auch. Er hat gesehen, dass er weg kam.

Aber es war auch einfach zu viel. Athena ließ das ja unberührt, sie ist Kaltblüter, wenn es heiß wird, dann findet sie das schön warm und wenn es kalt wird, dann schläft sie eben ein. Der Kreislauf von Schildkröten macht sich keinen Stress, der passt sich einfach an.

Tiger und ich dagegen sind Warmblüter. Unsere Körper versuchen, trotz Fell und Federn und wechselnder Umgebungstemperatur für eine konstante Körpertemperatur zu sorgen. Und das ist außerordentlich kräftezehrend, wenn es erst von der Kräutersauna in den Schneeraum geht, anschließend ins Dampfbad, dann ins Eiswasser, zurück in den Tiefenwärmeraum und so weiter und so weiter.

Blatthaus und Knoblauch-Sauna in Turku (Fotograf: Robert Seger)Auf den Besuch der Knoblauch-Sauna haben die drei verzichtet. Es stank zu sehr. (Fotograf: Robert Seger)

Tiger und ich sind abends um sechs Uhr auf dem Sofa eingeschlafen. Von dem Hörbuch habe ich gerade noch den Titel mitbekommen. Und so ging das weiter. Ich glaube, so viel wie in den Tagen in der Therme habe ich noch nie geschlafen. Und dennoch bin ich nun nicht erholt, sondern lediglich erschöpft. Und nicht nur mir geht es so, Tiger ist noch viel fertiger. Der hat es nicht mal mehr hoch in die Redaktion geschafft. Der liegt unten im Treppenhaus auf dem Boden und pennt.

Nur Athena, der geht es so richtig prächtig. Sie sagt, sie hätte das genossen.

Okay, dann hatte wenigstens einer von uns dreien seinen Spaß.

Mein Tipp für alle, die ein paar Tage Entspannung buchen wollen: Niemals einem Kaltblüter die Planung dafür überlassen, das kann zu Problemen führen.

Und ich armer Wicht kann mich nicht einmal wie Tiger einfach hinlegen und ratzen. Nein, ich armer Vogel muss mich auch noch um das Programm der kommenden Woche kümmern.

Okay, irgendwie werde ich die Woche schon voll bekommen.

Beginnen wir mit dem Montag (6.2.) mit dem Infotag. Mal sehen … gibt es da interessante Angebote meiner Leute? "Schlechte Laune – woher sie kommt, wie sie vergeht." Ja, das klingt doch nett. "Traumberuf Schauspieler." Na wunderbar, gekauft! Und außerdem "Schneemänner!" Perfekt, passt ja sogar zur Jahreszeit.

Lettland im Winter: Schneemann nahe der Oper von Riga (Ulrike Burgwinkel)Der Schneemann, ein augenblicklich oft anzutreffender netter Herr. (Ulrike Burgwinkel)

Nun zum Medientag am Dienstag (7.2.). Da werde ich meine Filmexpertin Anna Wollner ins Studio einladen. Sie wollte sich den Film "Lego Batman Movie 3D" ansehen. Außerdem präsentiere ich Euch Gespensterfische, Riesenasseln und drei Meter lange Regenwürmer. Wo ich die her habe? Aus dem Buch "Tier im Wasser/Unter der Erde" von Aleksandra Mizielinska.

Lego-Figuren "Baby mit Vater"  (dpa)Superheld Batman oder einen Vater und sein Baby.Mit Lego lässt sich alles bauen. (dpa)

Schon bin ich beim Mittwoch (8.2.) am Musiktag. Da werde ich in jedem Falle wieder eine Musikreise unternehmen, wohin verrate ich aber noch nicht. Das soll eine Überraschung werden. Außerdem kommen bei mir an diesem Tag einmal ausführlich die Trompeter der Staatskapelle zu Worte.

In einem Sinfonieorchester hat jeder Musiker seinen festen Platz. Die Streicher spielen in den vorderen Reihen und sind deshalb immer sehr gut zu sehen. Anders ist das mit den Trompetern. Sie sitzen aufgrund ihres lauten Klangs bewusst am weitesten vom Publikum entfernt. Oft entdeckt man sie in der vorletzten Reihe rechts neben den Posaunen, Hörnern und Tuben. Wer ihnen beim Musizieren auf die Finger und den Mund schauen will, braucht also ein Fernglas. Anders war das kürzlich im Kinderopernhaus Lichtenberg. Da gaben vier Trompeter der Staatskapelle ein Konzert und Katrin Giese hat sich mit ihnen unterhalten.

Ein Trompetenspieler in der Sonne. (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)Ein Trompetenspieler - selten als Solist vorne, meist eher hinten in der letzten Reihe. (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Ja, der Donnerstag, der Quasseltag (9.2.). Was soll ich da groß rumeiern. Es ist BERLINALE – Das Berliner Filmfestival. Daher wird selbstverständlich auch über die Berlinale und neue Filme gequasselt.  Meine Gäste im Studio: Kakadu-Filmexpertin Anna Wollner, zwei Sprecher aus dem Film "Die Häschenschule" und Mitglieder der Berlinale-Kinderjury.

Begehrter Filmpreis: der Goldene Bär (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)Der Star einer jeden Berlinale. Der Filmpreis Goldener Bär (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Kommen wir zum Freitag (10.2.) mit dem Entdeckertag. Meine Kakadu-Features sind ja  lang im Voraus geplant. Geht aber auch gar nicht anders. Da müssen die Fachleute gefunden, die Aufnahmen organisiert  und Studiozeiten für die Produktion gebucht werden. So ein Feature macht man nicht mal eben so, das erfordert Vorlauf. Erst recht dann, wenn sich die Autorin auf eine Entdeckungsreise in die "Gänge, Keller und Schächte - Unter der Stadt" begeben hat.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, heißt es in einem bekannten Lied... aber was ist dann untendrunter los? Genauer gesagt: ganz unten, nämlich unter der Erde? Das hat in meinem Auftrag Annette Christine Hoch bei ihrem Ausflug ins Unterirdische herausgefunden. Sie ist mit der U-Bahn gefahren und war im U-Bahn-Museum. Sie kletterte durch ein Gangsystem, das früher zur Lagerung von Bier verwendet wurde und damit für den Reichtum einer ganzen Stadt gesorgt hat. Sie lief durch die Kanalisation und reiste nach Neapel, wo es neben der normalen Stadt oben noch so etwas wie eine unterirdische Stadt gibt. Zu Wort kommen Höhlenfans, Tageslichtscheue, Kellerausmister und viele mehr.

Ein Frau geht im Licht am Ende des Tunnels. (imago )Geheimnisvolle Tunnel unter der Erde. (imago )

Kommen wir (das meine ich diesmal übrigens wirklich im Sinne von: die Kollegen und ich, und nicht etwas Pluralis Majestatis, wie man mir mitunter vorwirft) zum Finale der Woche. Der Sonntag (12.2.) mit dem Kakadu für Frühaufsteher um 7:30 Uhr. Diesmal mit: "Heute bin ich wild und böse" von Karin Hahn.

'Ich will dich heut nicht sehen und sag dir ins Gesicht: Ich will dich heut nicht sehen. Ich mag dich heute nicht.' Waren Kindergedichte früher eher lieblich und nett, so dürfen heute Kinder in Gedichten auch einmal ihre dunklen Seiten ausleben. Wie in dem Gedicht von Bernhard Lins, 'Ich will dich heut nicht sehen', haben auch andere Autoren wie Jutta Richter, Hans Adolf Halbey, Angela Sommer-Bodenburg oder Manfred Mai Verse geschrieben, in denen Kinder wild und böse sind. Karin Hahn hat die interessantesten dieser Gedichte zusammengesucht und mit Kindern darüber gesprochen.

Und anschließend um 08:05 Uhr nach den Erwachsenennachrichten könnt Ihr im Kinderhörspiel die Ursendung "Mr. Handicap" von Thilo Reffert hören.

Kinder mit und ohne Behinderung (picture alliance / dpa)Behindertensport als eigene Disziplin? Nein, für einige Vereine ist das gemeinsame Training selbstverständlich. (picture alliance / dpa)

Wenn aus einer normalen Schulklasse eine i-Klasse, eine Inklusionsklasse wird, ist es normal, dass alles anders wird. Vincent leidet unter angeborener Gelenksteife und hat noch ein paar andere Handicaps. Seit diesem Schuljahr besucht er eine Regelschule, wo sich Lehrer und Kinder alle Mühe mit der Inklusion geben. Jedes Kind war schon einmal Pate für Vincent, jedes Kind - außer Hannes. Doch eines Tages erwischt es auch Hannes und er darf für eine Woche Vincents Pate sein. Anfangs sieht Hannes in Vincent nur die Behinderung. Doch dann entdeckt er an Vincent auch andere Seiten, einen total unbehinderten Humor zum Beispiel. Fast sieht es so aus, als könnten sie ziemlich gute Freunde werden.

So, damit ist die Woche fertig.  War, ähh, wird ein hartes Stück Arbeit. Aber die schaffen das schon. Die kriegen das hin. Wenn wir zusammenarbeiten, wenn wir den Kreativen, also mir, auch mal ´ne Pause gönnen, die Leute hier den Chef ausschlafen lassen und nicht dauern stören, dann wird das. Ich bin mir da sicher.

So und jetzt gehe ich pennen. Wie ich ja eingangs sagte: Erschöpft dank Athenas Erholungsprogramm. Zum Glück ist sie nicht diejenige, die auch festlegt, wie hier bei uns in der Abteilung gearbeitet wird.

Einen habe ich aber noch:

Wer nichts tut,

kann auch nichts falsch machen.

In diesem Sinne

Euer Kakadu

Gänsemarsch durch die Winterlandschaft (AP)Und jetzt alle raus in den Schnee! (AP)