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Beitrag vom 02.07.2017

WochenvorschauDie sind einfach so weg!

Von Thomas Fuchs
Blick auf das Himalayagebirge in Nepal (imago stock&people)
Leider kein Urlaubsziel für Athena. Sie sagt, da oben wäre es ihr zu kalt. (imago stock&people)

Meine lieben Fans, ich bin sehr gerne hier im Deutschlandfunk Kultur, echt. Ebenso sind Tiger und Athena richtig gute Freunde, aber manchmal … manchmal, da nerven sie total. Da bringen sie mich an einen Punkt, an dem ich nur noch wegfliegen will. Hoch hinauf in die Luft und einfach weg, egal wohin, Hauptsache weg von den beiden.

Warum, fragt Ihr Euch vermutlich nun. Was ist denn passiert, wollt Ihr nun von mir wissen. Das will ich Euch gerne erzählen.

Habt Ihr schon einmal versucht, mit einem Tiger und einer Schildkröte zusammen einen Urlaub zu planen?

Ein Alptraum!

Die können sich einfach nicht entscheiden! Österreich oder Italien? Wo liegt Malawi? Oder lieber Indien? Wie ist das Wetter in Galizien? Ich will nicht noch einmal auf eine Nordseeinsel! Ich will nach Brasilien!

Permanentes Hin und Her!

Mit denen ist einfach keine Einigung möglich.

Aber dennoch kann mir Athena doch nicht einfach eine Mail schicken mit der Bemerkung, sie hätte die Nase voll und hätte daher spontan einen Flug nach Griechenland gebucht.

Eine junge Meeresschildkroete, frisch geschlüpft am Strand in Panormo auf Kreta in Griechenland ( imago/Robert Michael)Eine Freundin von Athena auf der Insel Kreta hat Junge bekommen. Da Athena die Patentante werden soll, ist sie nach Griechenland aufgebrochen. ( imago/Robert Michael)

Und Tiger? Der hat sich kurzfristig als Statist für eine Fernsehdokumentation über wilde Tiere buchen lassen. Ab ins Flugzeug und weg.

Und jetzt kommt der Knaller: Als ich nun meinen Urlaubsschein für meinen Solo-Single-Luxus-Urlaub in Rio de Janeiro beim Chef einreiche, sagt der: Nein! Wenn die anderen Tiere weg wären, dann könnte ich nicht auch noch weg. Ein Tier müsse hier bleiben.

Das können die doch nicht machen! Hätte ich nicht versucht, für alle drei ein gemeinsames Urlaubsziel zu nehmen, sondern so wie diese Verräter einfach gleich so ganz egoistisch eine Reise für mich gebucht, also einfach zuerst den Urlaub genommen, dann hätte ich nun Urlaub. Könnte nach Rio in meinen wohlverdienten Urlaub fliegen.

Aber so … wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte, sozusagen.

Aber da stehe ich drüber, das sage ich Euch! Pah!

Sollen die anderen doch Urlaub machen, ich halt diesmal nicht. Ich werde eben erst dann verreisen, wenn alle ihren Urlaub schon hatten. Dann werde ich vor ihren Augen meinen Koffer packen und verreisen.

So, das haben sie nun davon!

Eine Gruppe Menschen sitzen von Pflanzen und Holzbauten umgeben in einem Garten auf dem Feld des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin. (imago/Hoch Zwei Stock/Angerer)Daheimgebliebene rotten sich in sogenannten "Urban Gardening" zusammmen und tun so, als wären sie in Urlaub. So wie die hier, auf dem Feld des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin (imago/Hoch Zwei Stock/Angerer)

Und da ich hier bleibe, kann ich Euch natürlich auch weiterhin über mein aktuelles Programm auf dem Laufenden halten.

Am Montag am Infotag (3.7.) könnt Ihr bei mir einen echt … nun ja … wie sage ich das … höchst seltsamen Beruf kennenlernen. Ich habe da eine kleine Reihe begonnen, die heißt: Ausgestorbene Berufe. Und der, den ich da zum Auftakt präsentiere, über den möchte ich sagen, nun, der ist zu Recht ausgestorben. Ich spreche vom Beruf des "Abtrittanbieters". Was auch immer das bloß sein mag.

(picture alliance / dpa / Rolf Kremming)Auch ein eher seltener Beruf: Ameisenbärforscherin wie Lydia Möcklinghoff. (picture alliance / dpa / Rolf Kremming)

Am Dienstag am Medientag (4.7.), ja da freue ich mich wirklich sehr drauf. Endlich ist "Unverbesserlich 3" im Kino. Ich bin da voller Vertrauen. Wird so sein wie immer: Erster Film – gut, Folgefilm - so lala und dann der Dritte – Genial/Oberklasse. Außerdem stelle ich Euch Yogalinos vor und, Ihr kennt sie alle: Fidget Spinner.

Besucher mit VR-Brillen testen das erste Virtual Reality Kino in Amsterdam, Niederlande, März 2016 (dpa / picture alliance / Sander Koning)Sieht so die Zukunft aus? Besucher mit VR-Brillen testen das erste Virtual Reality Kino in Amsterdam in den Niederlande. (dpa / picture alliance / Sander Koning)

Am Mittwoch am Musiktag (5.7.) steht eine Musikreise im Programm, zudem habe ich einen neuen Klangohren CD-Test bei Rüdiger Bischoff und den Kindern in Auftrag gegeben.

Am Quasseltag am Donnerstag (6.7.) besucht Fabian eine Willkommensklasse in ihrer Schule. Das sind 12 Kinder aus ganz unterschiedlichen Ländern, die gemeinsam unterrichtet werden und die erzählen, was für sie alles anders war, als sie nach Deutschland kamen. Und sie reden auch darüber, was für ihr Land typisch ist und was nicht.

Die syrischen Kinder (l-r) Nour, Kamala, Bourhan, Roaa und Mohammad sitzen am 22.06.2016 in ihrem Klassenraum der 1. Klasse der Gundschule "Kinder von Golzow" in Golzow im Oderbruch (Brandenburg).  (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Auch wenn die Klasse nicht gesondert Flüchtlingsklasse heißt: Die syrischen Kinder (l-r) Nour, Kamala, Bourhan, Roaa und Mohammad sind willkommen in der 1. Klasse der Gundschule "Kinder von Golzow" in Golzow im Oderbruch (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Am Freitag am Entdeckertag (7.7.) reisen wir in meinem Entdeckertagfeature nach Jerusalem.

Die goldene Kuppel des Felsendoms ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Ein muslimisches Heiligtum ist das, zu dem auch Juden und Christen eine enge Beziehung haben. Das geht nicht immer friedlich ab. Gestritten wird um diese Stadt seit Jahrtausenden. Seit Christi Geburt wurde sie alleine 22 Mal belagert, 34 Mal erobert, 18 Mal zerstört und wieder aufgebaut und elf Mal wechselte der vorherrschende Glaube. Kann es in einer Stadt, die für so viele Menschen ein Sehnsuchtsort war (und ist), die voller Geschichten und Träume steckt und die manche Leute sogar für eine Himmelserscheinung halten, überhaupt ein ganz normales Leben geben? Ja, kann es! Ein lautes, orientalisches Leben ist das natürlich, das auf der Straße stattfindet, wo schon die zehnjährigen Jungen lauthals Waren anpreisen. Im ersten Moment denkt man: Ist hier eine Revolution ausgebrochen? Nein, da ruft nur jemand: Hier kostet alles nur zehn Shekel! Jüdische und arabische Kinder gehen meistens in getrennte Schulen, doch ansonsten spielen sie Fußball wie anderswo auch oder gehen zum Shoppen in die Mall. Allerdings hat das Kinderleben hier strengere Regeln als bei uns. Jungs dürfen andere Sachen als Mädchen. Es gibt Männerwelten, Frauenwelten und Kleidervorschriften, die auch die Kinder betreffen.

"Jerusalem, Stadt aus Gold und Streit - und ganz normalem Leben", von Brigitte Jünger.

Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem - von diesem Felsen aus soll Mohammed die Himmelfahrt angetreten haben. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Matthias Tödt)Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem - von diesem Felsen aus soll Mohammed die Himmelfahrt angetreten haben. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Matthias Tödt)

Weiter geht es am Sonntag (9.7.) im Kakadu für Frühaufsteher um 7:30 Uhr mit einer Geschichte. Diesmal: "Das dritte Kaninchen", von Maraike Wittbrodt.

Lina und Dennis haben beide große Sehnsucht nach einem Haustier. Lina wünscht sich seit Jahren einen Hund, sie hat schon 61 Euro und 55 Cent gespart, aber das ist mal gerade ein Viertel Hund und außerdem erlauben ihre Eltern kein Haustier. Dennis ist erst seit wenigen Wochen in der Stadt, er sehnt sich zurück nach seinem Hund, den er im Dorf  bei seiner Großmutter zurücklassen musste. Da freuen sich beide sehr, als Kevin sie fragt, ob sie am Samstag Zeit hätten, sich um die vielen Haustiere seiner Tante zu kümmern. Natürlich haben die beiden Zeit, und sie machen es gut. Nur fehlt plötzlich das dritte Kaninchen.

Ein Kaninchen mit drei Jungtieren im Korb (imago/blickwinkel)Ein Kaninchen mit drei Jungtieren im Korb (imago/blickwinkel)

Anschließend, um 08:05 Uhr geht es weiter mit dem Kinderhörspiel:
"Hühner dürfen sitzen bleiben" von Jochen Weeber.
Peter läuft von Zuhause weg, weil auf seinem Zeugnis eine Fünf in Mathe steht. Das Schuljahr ist zu Ende, die Sommerferien fangen an. Doch Peter kann sich nicht so richtig freuen: schon wieder hat er auf dem Zeugnis in Mathe eine Fünf stehen. Seine Eltern sind enttäuscht von ihm, neulich hat Peter gehört, wie sie sich über ihn unterhalten haben, er sei einfach keine Leuchte im Rechnen, da könne man vermutlich nichts dran ändern. Da flüchtet Peter zu seiner Oma ins Nachbardorf. Oma Lise ist noch immer traurig über den Tod vom Opa und freut sich deshalb besonders über den Besuch. Außerdem scheint sie die Einzige zu sein, die weiter an Peter glaubt. Als schließlich Toni auftaucht, ein Klassenkamerad, mit dem Peter gar nicht gerechnet hat, werden die Ferien zu einem Erlebnis, das die drei so schnell nicht vergessen werden.

Übers Weglaufen habe ich auch schon mal nachgedacht, genauer gesagt, darüber, trotzdem in Urlaub zu fahren, auch wenn ich gar nicht darf. Ist aber viele, sehr, sehr viele Jahre her. Und ich würde so etwas auch nie machen. Ich bin jemand, der Verantwortung ernst nimmt. Anders als andere Tiere, Tiger beispielsweise, oder Schildkröten. Tiere, die bekanntermaßen ja doch für eine gewisse Hinterlist und Verschlagenheit bekannt sind. Oder wie würdet Ihr es nennen, wenn man einfach den dritten im Bunde zurücklässt?

Nein, es gibt Tiere, für die ist Freundschaft einfach nur ein Wort.

Und dann gibt es die Tiere, die pflichtbewusst ihrer Aufgabe nachkommen. Die sich nicht verdrücken und weiter ihrer Arbeit nachkommen. Und ehrlich, die würden auch dann nicht weglaufen, wenn man sie nicht in der Redaktion eingesperrt hätte. 

Ehrlich, ich will doch gar nicht mehr in Urlaub!

Urlaub ist was für Weicheiner.

Außerdem, wie heißt es schon bei Michel de Montaigne:

"Die meisten reisen nur,

um wieder heimzukehren."

In diesem Sinne.

Euer Kakadu