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Beitrag vom 15.08.2017

MedientagEine Scheibe Musik - Die Geschichte der Schallplatte.

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Eine Schallplatte wird in einem Musikfachgeschäft in Hannover (Niedersachsen) auf einem Plattenspieler abgespielt.  (picture alliance / dpa / Foto: Christoph Schmidt/dpa)
Die Mutter der CD - Die Schallplatte (picture alliance / dpa / Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Die totale Verfügbarkeit von Musik, egal wann und wo, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Und doch ist das Verfahren der Tonaufzeichnung noch nicht einmal 150 Jahre alt. Alles begann mit einer schwarzen Scheibe aus Läusekot.

In der Reihe Medien früher: Die Schallplatte

In der wundersamen Reise des genialen Freiherrn von Münchhausen erzählt er vor über 200 Jahren die Geschichte vom eingefrorenen Posthorn. Das, als es in der warmen Stube auftaute, die in eisiger Kälte hineingeblasenen Töne wieder frei lies.

Genau genommen, wäre dieses Posthorn, wenn es dies gegeben hätte, die erste Tonaufzeichnung gewesen. Doch wie alle Geschichten des Freiherrn von Münchhausen, ist dieser Bericht leider erfunden.

Die erste Tonaufzeichenung muss daher anders datiert werden. Erst am 18. Juli 1877 gelang es dem Erfinder Thomas Alva Edison zum ersten Mal, die menschliche Stimme einzufangen und wiederzugeben. Er benutzte eine mit einer Nadelspitze versehene Membran, die er über einen mit Paraffin überzogenen Papierstreifen zog. Er sprach dabei laut das Wort "Hello" in die Membran. Als er die Nadel erneut über den Papierstreifen zog, konnte er leise das zuvor Gesprochene vernehmen.

Der deutsche Auswanderer Emil Berliner entwickelte nach diesem Prinzip 1888 in den USA die Schallplatte aus Hartgummi. Sie wurde mit einem Grammophon abgespielt. Eine Nadel glitt durch eine Rille in der sich drehenden Schallplatte, die so abgespielten Töne wurden wiedergegeben und über einen großen Trichter verstärkt. 1897 kamen die ersten Schellackplatten auf den Markt.  Schellack ist ein ganz besonderer Lack. Es war die Ausscheidungen einer ganz bestimmten Blattlaus, die es in Indien gibt. Und dieser Läusekot wurde mit Gesteinsmehl, Ruß und Pflanzenfasern zu einem Kloß vermischt. Der wurde dann in eine Presse getan und mit einer Kopiervorlage jede Platte einzeln gepresst. Weil Schelllack ziemlich teuer war – man brauchte ja auch die entsprechende Anzahl an Läusen – erfand man bald den Kunststoff Vinyl. Die Produktion verbesserte sich. Ein weiterer Vorteil: Auf eine LP, so nennt man die großen Vinylplatten, passte auch mehr Musik. Waren es bei einer Schellackplatte noch maximal zwei oder drei Minuten pro Seite, könnte man auf einer LP bis zu einer halben Stunde hören.

Musik auf Vinyl boomt: Zu sehen ist die Beatles Platte "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". (picture alliance / Daniel Kalke)Musik auf Vinyl boomt: Zu sehen ist die Beatles Platte "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". (picture alliance / Daniel Kalke)

Ab dem Jahr 1926 stand mit der Erfindung der Röhren und elektrischer Wandler der erste Verstärker zur Verfügung. Nun musste man die Schallwellen nicht mehr durch einen Grammophontrichter verstärken, sondern konnte auf das wesentlich effektivere elektrische Aufnahme- und Wiedergabeverfahren umsteigen.

Von nun an war der Siegeszug der Schallplatte nicht mehr aufzuhalten. Jahr für Jahr wurden mehr schwarze Scheiben gepresst. Der Rekord waren 74 Millionen verkaufte Schallplatten im Jahr 1985. Doch dann ging es bergab, denn die digitale CD, die Compact-Disc, war auf den Markt gekommen. Bereits Anfang der 1990er verkündeten die wichtigsten Konzerne der Phonoindustrie gemeinsam den "Tod der Schallplatte". Fortan wurde nur noch auf die Audio-CD gesetzt, es folgten MP3 und Streamen.

Und dennoch hat die klassische Schallplatte überlebt. Noch immer werden die schwarzen Scheiben hergestellt und verkauft, noch immer lieben es Musikfans, ihre Platten auf dem Plattenspieler abzuspielen. Und einen Vorteil hat eine Schalllatte zudem: Bei richtiger Lagerung ist sie nahezu unbegrenzt haltbar.

"Medien früher: Die Schallplatte ", von Jessica Zeller.

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"Bücher, die von Ängsten handeln ", von Ilka Lorenzen-Butzmann.

"Koffertaugliche Spiele ", von Christina Valentiner-Branth.