Dienstag, 24. Oktober 2017
 
 
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Beitrag vom 24.07.2017

InfotagDer Sandmann

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Donatas Mockus (l) und Inese Valtere-Ulande aus Lettland arbeiten am 18.04.2017 bei der 8. Warnemünder Sandwelt an ihren Skulpturen am Pier 7 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern). Sieben Künstler aus Lettland, Polen und Deutschland schaffen derzeit ihren Kreationen zum Thema «Moby Dick». Sie verarbeiten 300 Tonnen Sand zu bis zu sechs Meter breiten und drei Meter hohen Figuren. Gäste am Pier 7 können die Entstehung der Sandkunstwerke direkt verfolgen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Auch ein Sandmann - Allerdings nicht der, den Euch Kakadu vorstellt. (dpa-Zentralbild)

Der "Sandmann", aus der Reihe der ausgestorbenen Berufe. Außerdem: "Gedichte im Brechthaus", "2 Millionen Jahre Migration - Eine Migrations-Sonderausstellung in Mettmann" und "Das Sommerrätsel".

Was macht ein Kaffeeriecher? Welcher Beruf versteckt sich hinter einem Abtrittsanbieter oder einem Fischbeinreißer? Viele Berufe, die von unseren Vorfahren ausgeübt wurden, gibt es heute nicht mehr. Denn neue Erfindungen oder technische Weiterentwicklungen sorgen dafür, dass neue Berufe entstehen und alte verschwinden.

Der Sandmann ist einer dieser verschwundenen Berufe.

Der Sandmann hat eigentlich nichts zu tun mit dem Sandmann, an den Du vermutlich nun zuerst denkst.

Der Sandmann von früher verkaufte Sand. Einfachen, weißgelben Sand. Aber den benötigte seinerzeit jeder Bürger für seine gute Stube: denn wenn Samstags das Haus geputzt wurde, streute man im Wohnzimmer auf die Holzdielen feinen, sogenannten Stubensand. Wenn man diesen aufkehrte, kehrte man gleich den Schmutz, der sich in den Ritzen angesammelt hatte, mit aus. Es gab ja noch keinen Staubsauger. Aber auch zum Ausreiben von Milchkanistern benutzte man den Sand. Sand, das war ein Putzmittel. 

Den Sand verkaufen, das war das eine Teil der Arbeit eines Sandmannes von früher.

Das andere, viel härtere Los aber war, den Sand abzubauen. Dazu schlugen die Sandmänner große Brocken Sandstein, oft unter der Erde, ab und schafften sie nach draußen. Nur eine kleine Ölfuntzel erhellte die Dunkelheit. Oft ließen sie ihre Kinder diese Arbeit verrichten, weil diese kleiner waren und in engere Löcher hinein passten. Ständig atmeten sie den Sand ein, der sich dann in den Lungen absetzte und zu einem frühen Tod führte. War ein Brocken Sandstein abgebaut, wurde dieser zuhause von der ganzen Familie bearbeitet.

Gemeinsam rieben und mahlten sie den Sand, bis er ganz fein wurde und als Stubensand taugte. Da die Häuser dieser armen Leute meist nur aus einem kleinen Zimmer bestanden, war darin alles sandig: Sand im Bett, Sand in den Kleidern, Sand in jeder Hautfalte und vor allem: Sand in den Augen. Die alten und jungen Sandmänner und Frauen hatten immer schlimm gerötete Augen. Das war so etwas wie ihr Markenzeichen.

Wie dann aber aus diesen schmerzenden, geröteten Augen die Idee vom Sandmännchen entstand, das Traumsand streut, das weiß heute keiner mehr so Recht. Vielleicht war es der Wunsch dieser Arbeiter, im Schlaf einfach alles vergessen zu können

Michaela Vieser über ausgestorbene Berufe/ Kakadu-Serie aus sechs Teilen

Außerdem könnt Ihr an diesem Infotag hören:

"Gedichte im Brechthaus"

"2 Millionen Jahre Migration"

"Das Sommerrätsel"